Der Tag vom hessischen Rundfunk ist neben dem Hintergrund vom Deutschlandfunk eine weitere Informationsperle der ARD.  Tagesaktuelle Themen aus Politik, Kultur und Zeitgeist werden in gut recherchierten Sendungen wochentäglich präsentiert. Manchmal, wenn ich mich über die Rundfunkgebühr wegen zu viel Sport und Glitter ärgere, stelle ich mir, daß mit meinem Geld die Redakteure von einer solchen Sendung bezahlt werden. Schon tut es nicht mehr weh.

Wichtiger Podcast zum Zeitgeschehen. Läuft bei mir oft während ich in der Küche werke oder bei der Hausarbeit.

Die Sendung selbst - "Kenntnisreich, ironisch, witzig, pointiert", läuft von Montag bis Freitag um 18:05 Uhr im HR2. Die Seite zur Sendung findet man hier:
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Unorthodox? Gedanken übers Gedenken

27-1-2021

Ein denkwürdiger Tag und ein denkwürdiges Jahr treffen an diesem Mittwoch aufeinander. Am 27. Januar 2021 jährt sich zum 76. Mal der Tag, an dem sowjetische Soldaten das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau befreiten. Und zugleich können wir 2021 auf 1700 Jahre jüdischen Lebens in Deutschland zurückblicken. Denn im Jahre 321 n. Chr. wird in einem Edikt des römischen Kaisers Konstantin zum ersten Mal eine jüdische Gemeinde nördlich der Alpen erwähnt: Die jüdische Gemeinde von Köln. Zurückblicken an diesem Gedenktag und in diesem Gedenkjahr wird allerdings nicht reichen. Es sei "wichtig, eine Form des Erinnerns zu finden, die in die Zukunft wirkt", hat der damalige Bundespräsident Roman Herzog gesagt, als er 1996 den "Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus" ins Leben rief. Und so geht es 76 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz gerade auch darum, den gegenwärtigen Antisemitismus in unserem Alltag zu bekämpfen. Und nach 1700 Jahren jüdischen Lebens in Deutschland geht es darum, zu erfahren und zu verstehen, zu erzählen und zu diskutieren, was jüdisches Leben im heutigen Deutschland bedeutet - gerade auch für jüngere Menschen, für jüdische und nicht-jüdische. Welche Bilder jüdischen Lebens gibt es in unseren Köpfen? Und wie könnte heutzutage eine fruchtbare Erinnerungskultur aussehen?

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Anonym und unsichtbar - Der Tod in den Zeiten von Corona

26-1-2021

Die Pandemie lehrt uns mit erschreckenden Zahlen umzugehen. Sie hat fast 50 tausend Menschenleben in Deutschland gekostet, in knapp einem Jahr. Menschen, die an und mit Covid-19 gestorben sind. Weltweit sind es mehr als zwei Millionen. Und täglich sterben weitere. Die Schwere der Krankheit ist größer als bei einer gewöhnlichen Grippe. Das Risikomanagement findet unter kollektiver Beobachtung statt. Doch gestorben wird allein und einsam. Der letzte Kontakt der Patienten: Pfleger und Ärzte in Schutzkleidung mit Masken, Handschuhen, Kitteln. In Plastiksäcke verpackt, bekommen die Toten rote Aufkleber: Achtung, Infektionsgefahr. Aufbahrungen, Aussegnungen, Rituale mit Liedern und Musik erscheinen wie aus einer längst vergangenen Zeit. Abschied kann nur mit Abstand genommen werden. Anfassen geht nicht. Nach und nach wird nun der Ruf nach öffentlichem Gedenken lauter. Brauchen wir solche Bilder? Oder muss der individuellen Trauer entgegen aller Gefahrenabwehr mehr Raum gegeben werden?

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Gegen die Mächtigen! Von Mut und Waghalsigkeit

25-1-2021

Kaum wieder auf den Beinen hat er sich erneut aufs Glatteis gewagt. Oder in die Höhle des Löwen. Der Kremlkritiker Alexej Nawalny - gerade von einem Giftanschlag genesen - ist aus der sicheren Obhut der Berliner Charité nach Russland zurückgekehrt und wurde dort gleich in polizeilichen Gewahrsam genommen. Das ist nicht neu für ihn. Damit musste er rechnen. Das hätte er sich ersparen können. Was also ist seine Rückkehr? Mutig? Tollkühn? Bar jeder Vernunft? Oder einfach nur konsequent? Was treibt Menschen wie Nawalny, wie Snowden und Assange, wie Jeanne d' Arc, Jan Hus und Luther an, sich sehenden Auges in Gefahr zu begeben? Und was setzt ihre "Bremsen" außer Kraft? Ist es nur ihre "Sache" - die sie als "gut" oder "gerecht" erkannt haben? Oder können sie gar nicht anders und nehmen von vorneherein billigend in Kauf, vom Aktivisten zum Märtyrer zu werden? Zugegeben: Im Exil oder im sicheren Versteck lässt sich wenig bewegen. Aber im Gefängnis und auf dem Friedhof noch sehr viel weniger. Und doch scheint ihre Maxime zu lauten: "Keine Selbstachtung ohne Todesverachtung".

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Takeoff ins Nirgendwo? Die Zukunft der Luftfahrt

22-1-2021

Kaum eine andere Branche bekommt die Folgen der Corona-Pandemie weltweit so heftig zu spüren wie die Luftfahrt. Das trifft auch uns in Deutschland: Nach Angaben der Deutschen Flugsicherung DFS wurden hierzulande im vergangenen Jahr rund anderthalb Millionen Starts, Landungen und Überflüge kontrolliert. Das entspricht 56 Prozent weniger als noch im Jahr davor, mit anderen Worten: Die Zahlen im Luftverkehr sind so niedrig wie Ende der 80er Jahre, vor der Wiedervereinigung. Fachleute rechnen erst 2025 damit, dass die Branche wieder das alte Niveau wie vor der Krise erreicht. Die Konsequenzen sind bereits zu beobachten: Selbst eine mächtige Fluggesellschaft wie die Lufthansa ruft nach dem Staat, der auch kräftig hilft, mit einer Beteiligung. Piloten und andere Teile der Belegschaft fürchten trotzdem um ihre Jobs, es werden Stellen abgebaut. Wird sich die Luftfahrt jemals von diesem Schock erholen? Und wie passen dazu die hochfliegenden Pläne verschiedener Firmen, wieder Überschallflugzeuge zu bauen oder mit elektrischen Antrieben in die Zukunft zu starten?

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Ohne Zweifel für den Angeklagten - Die Rolle der Verteidigung

21-1-2021

Das Beste herauszuholen für Leute, denen oft das Schlimmste zugetraut wird. Das ist die Aufgabe von Strafverteidigern. So wie gerade jetzt im Lübcke-Prozess. Der Hauptangeklagte Stephan Ernst - ein Rechtsextremist - wird beschuldigt, den Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke erschossen zu haben. Ernst hat mehrfach seine Aussagen zum Tathergang geändert. Und er hat sich mitten im Prozess von seinem ersten Verteidiger getrennt. All das macht ein Plädoyer (wie an diesem Donnerstag) nicht gerade leichter für seinen zweiten und jetzigen Verteidiger. Mutmaßliche und manchmal sogar geständige Mörder zu verteidigen - für Anwältinnen und Anwälte ist das Beruf und oft auch Berufung, für viele Außenstehende dagegen ein moralisches Problem. "Wie kannst du nur einen solchen Menschen verteidigen?" Das ist außerhalb des Gerichtssaals die vielleicht häufigste und heikelste Frage an die Verteidigung, die dadurch immer wieder in die Lage gerät, sich selbst verteidigen zu müssen. In unserem Rechtsstaat ist es gleichwohl ein eherner Grundsatz: Jeder und jede Angeklagte hat Anspruch auf die bestmögliche Verteidigung - ob er oder sie nun schuldig oder nicht schuldig ist. Nur: Worin besteht - und wie gelingt - eine bestmögliche Verteidigung? Das ist von Fall zu Fall verschieden, und welche Figur die Verteidigung dabei macht, das liegt immer im Auge der Betrachtenden, ob sie nun auf der Anklagebank oder am Richtertisch, auf der gegnerischen Seite oder im Publikum sitzen. Wer auch immer eine Verteidigung übernimmt, muss sich mit all diesen Beteiligten auseinandersetzen. Und kann dabei heldenhaft oder fragwürdig wirken. In Büchern und Filmen sowieso, aber oft auch in der Realität.

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