Der Tag vom hessischen Rundfunk ist neben dem Hintergrund vom Deutschlandfunk eine weitere Informationsperle der ARD.  Tagesaktuelle Themen aus Politik, Kultur und Zeitgeist werden in gut recherchierten Sendungen wochentäglich präsentiert. Manchmal, wenn ich mich über die Rundfunkgebühr wegen zu viel Sport und Glitter ärgere, stelle ich mir, daß mit meinem Geld die Redakteure von einer solchen Sendung bezahlt werden. Schon tut es nicht mehr weh.

Wichtiger Podcast zum Zeitgeschehen. Läuft bei mir oft während ich in der Küche werke oder bei der Hausarbeit.

Die Sendung selbst - "Kenntnisreich, ironisch, witzig, pointiert", läuft von Montag bis Freitag um 18:05 Uhr im HR2. Die Seite zur Sendung findet man hier:
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Sie sehen was, was Du nicht siehst - Identität digital

27-1-2020

Straftäter erkennen. Mitten in einer Menschenmenge. An ihren Gesichtern, die eine Kamera erfasst und die dann mit Bildern in der "Verbrecherkartei" abgeglichen werden. Das klingt verlockend, wenn eine solche Gesichtserkennung wirklich nur Kriminelle träfe, die im Begriff sind, weitere Straftaten zu begehen. Aber eine Kamera als "Auge des Gesetzes" kann auch die Gesichter unbescholtener Menschen erfassen. Und dann dürfen wir alle uns fragen, was die Sicherheitsbehörden wohl anfangen werden - mit dem, was sie auf unseren Gesichtern lesen. "Wer das Gesicht eines Menschen auf ein Foto bannt, der raubt diesem Menschen die Seele". Dieser alte Glaube mancher Kulturen bekommt im digitalen Zeitalter ein ganz neues - Gesicht. Und zwar eines, das viele von uns in ähnlicher Weise beunruhigt. Gesicht zu zeigen - so sinnvoll das ist, wenn es um Politik und Zivilcourage geht, so problematisch wird es, wenn wir im öffentlichen Raum und im Netz unsere Identität verteidigen wollen.

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Überleben – 75 Jahre nach Auschwitz

24-1-2020

Am Montag vor 75 Jahren erreichte die Rote Armee das Konzentrationslager Auschwitz in Polen. Der Tag der Befreiung für die wenigen Überlebenden des größten Vernichtungslagers der Nazis ist heute der Internationale Holocaust-Gedenktag. Aber zu gedenken und eine Wiederkehr des Faschismus zu verhindern, sind nicht die einzige Aufgabe, die uns Auschwitz hinterlassen hat. Auch das Überleben ist bis heute eine immer neue Aufgabe. Auch die Kinder und Enkel von Überlebenden traumatischer Ereignisse können noch unter den Traumata ihrer Eltern und Großeltern leiden. Das Trauma vererbt sich. Umso wichtiger wird die "Überlebenspsychologie" des österreichischen Neurologen Viktor Frankl, der selbst vier Konzentrationslager überlebt hatte. Er hat danach versucht, den Überlebenden dabei zu helfen, wieder nach vorne zu schauen. Aus seinen therapeutischen Ansätzen hat sich unter anderem die Resilienzforschung entwickelt. So ging die Geschichte von Auschwitz nach der Befreiung weiter und sie wird auch niemals enden.

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#Dorfkinder - Vom Leben und Sterben auf dem Land

23-1-2020

Auf dem Land ist die Welt noch in Ordnung. Diese Botschaft wollte Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner mit ihrer Hochglanz-Kampagne unter dem Hashtag "Dorfkinder" ins Land und vor allem in die Städte tragen.

Mit Bildern romantischer Dorfidylle und Slogans wie: "Dorfkinder haben den Dreh raus", "Dorfkinder sind zur Stelle, da, wo man sie braucht" oder "Dorfkinder bringen neues Leben in alte Mauern". Klöckner will das Leben auf dem Land bewerben, denn die Städte kämpfen mit dem andauernden Zuzug und im ländlichen Raum veröden die Dörfer. Doch hat ihre Kampagne nun mit der Wahrheit vom Land zu kämpfen. Sie schlägt der Ministerin auf Twitter von der echten Landbevölkerung entgegen: mit Tweets wie: "#Dorfkinder fragen, warum ihr Schwimmbad zugemacht wurde", "#Dorfkinder mobben und verprügeln gerne die, die anders sind" und es werden Forderungen nach besserer Infrastruktur, medizinischer Versorgung, Bildung, ÖPNV und Internet laut. Scheint, als hätte Ministerin Klöckner mit dieser Kampagne einmal ordentlich in den Misthaufen gegriffen. Dabei hat das Leben auf dem Land doch wirklich Vorteile, finden mittlerweile auch einige Städter, und bauen sich in sogenannten "Co-Dörfern" ihre eigene Infrastruktur für gemeinschaftliches Wohnen und Arbeiten abseits der Metropolen auf.

Stadt, Land, Flucht - wer gewinnt?

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Aufs Wohl bedacht? Gemeinnützigkeit und ihre Grenzen

22-1-2020

Attac Deutschland hat klein angefangen, vor genau 20 Jahren. Ebenso die Arbeiterwohlfahrt, schon vor 101 Jahren. Heute sind sie viel größer und einflussreicher, aber immer noch gemeinnützige Vereine, genau wie der ADAC und der Alpenverein. Das heißt, bei Attac steht der Status im Zweifel, die Gemeinnützigkeit wurde 2014 vom Finanzamt aberkannt, der Fall geht durch die Instanzen. Denn Gemeinnützigkeit bedeutet vor allem eine bedeutende Steuerbefreiung, und das Finanzamt muss regelmäßig prüfen, ob ein Verein noch gemeinnützige Zwecke verfolgt: der Schutz und die Förderung von Natur, Kultur, Sport, Menschenrechten, Bildung gehören dazu. Nicht aber die allgemeinpolitische Betätigung - und die wird Attac vorgeworfen.
Veruntreuung, Vetternwirtschaft oder Verschwendung unter dem Deckmantel karitativer Zwecke auch nicht: im Skandal um die Frankfurter AWO steht auch deren Gemeinnützigkeit zur Debatte. Und ist nicht der ADAC eher ein reicher Lobbyverein und der Alpenverein eine unlautere Konkurrenz für Reiseveranstalter? Gemeinnützigkeit ist eben nicht so eindeutig definiert, dass man sie nicht öffentlich in Zweifel ziehen könnte. Nicht nur im Fall von Attac ist der Verdacht laut geworden, dass politisch unliebsame Organisationen über den Entzug der Gemeinnützigkeit finanziell abgewürgt werden sollen. Wenn man die Allgemeinheit fragt, was ihr denn so dient, antwortet sie eben nicht mit einer Stimme. Und die Frage, was uns allen nutzt, wird nicht nur im Finanzamt entschieden.

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Wickeln, putzen, pflegen – Was es uns wert ist

21-1-2020

Fürsorge und Pflege gehören zum Alltag in jeder Familie. Es ist Arbeit. Auch wenn sie oft gerne und selbstgewählt getan wird: Ohne diese sogenannte Care-Arbeit geht nichts. Aber erst wenn andere als die Familienmitglieder staubsaugen, Angehörige pflegen oder Kindern bei den Hausaufgaben helfen, wird diese Arbeit etwas wert. Wert durch Bezahlung. Die Entwicklungshilfeorganisation Oxfam rechnet nun in einer aktuellen Studie vor: es sind vor allem Frauen und Mädchen, die in aller Welt unbezahlt arbeiten, jeden Tag mehr als zwölf Milliarden Stunden. Würde man den Frauen für diese Arbeit den Mindestlohn zahlen, dann entspräche das einem Gegenwert von über elf Billionen US-Dollar pro Jahr, 24 Mal mehr als der Umsatz der Technologie-Riesen Apple, Google und Facebook zusammen. Über diese unbezahlte Arbeit wird auch auf dem diesjährigen 50. Weltwirtschaftsforum nicht gesprochen werden. Können wir uns das leisten?

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