Der Tag vom hessischen Rundfunk ist neben dem Hintergrund vom Deutschlandfunk eine weitere Informationsperle der ARD.  Tagesaktuelle Themen aus Politik, Kultur und Zeitgeist werden in gut recherchierten Sendungen wochentäglich präsentiert. Manchmal, wenn ich mich über die Rundfunkgebühr wegen zu viel Sport und Glitter ärgere, stelle ich mir, daß mit meinem Geld die Redakteure von einer solchen Sendung bezahlt werden. Schon tut es nicht mehr weh.

Wichtiger Podcast zum Zeitgeschehen. Läuft bei mir oft während ich in der Küche werke oder bei der Hausarbeit.

Die Sendung selbst - "Kenntnisreich, ironisch, witzig, pointiert", läuft von Montag bis Freitag um 18:05 Uhr im HR2. Die Seite zur Sendung findet man hier:
https://www.hr2.de/gespraech/der-tag/index.html

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Geliefert - Wie wir bei Amazon & Co unsere Zukunft bestellen

15-11-2018

Er ist der reichste Mann der Welt, und der Börsenwert seines Konzerns wird nur noch von Apple übertroffen - Jeff Bezos und Amazon. Der größte Onlinehändler mit dem breitesten Angebot an Büchern, CDs und Videos ist längst mehr als ein Medienhändler. Er ist Verlagsplattform und Elektronikproduzent - und vor allem Datenhändler. Er weiß nicht nur, wo wir was kaufen und wie wir im Internet surfen, er weiß auch, was in unseren Wohnzimmern gesprochen wird. Zumindest kann er es wissen, wenn er auswertet, was die digitale Assistentin Alexa aufzeichnet. Was wir zulassen, weil alles, was Amazon uns bietet, das Leben ja so sehr erleichtert. Wir sagen: Alexa, bestell Pizza - und kurze Zeit später klingelt der Lieferservice. Wir sagen: Alexa, der neuste Krimi, und am nächsten Tag klingelt der Paketbote.
Und wenn wir uns dann doch mal wieder raus begeben, um selber einkaufen zu gehen, müssen wir leider feststellen, dass die Buchhandlung um die Ecke pleite ist und der Italiener geschlossen hat. Dafür stehen die Fahrradwege aber voll mit Paketautos. Macht nix, wir müssen ja auch nicht mehr ins Kino radeln. Das hat auch zu. Die Filme gibt es jetzt online.

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Erbarmen, zu spät! Die Rentner kommen

14-11-2018

Rentenloch, Seniorenschwemme, Greisenberg und Fachkräfteschwund. Ein Land ruft "Erbarme“, denn die geburtenstarken Jahrgänge nähern sich dem Rentenalter. Aber halt, das war doch schon bei den Rodgau Monotones damals nicht so gemeint. In Wahrheit haben sich doch alle ein Loch in den Bauch gefreut, dass die Hessen kamen oder sagen wir - fast alle. Und so auch bei den Rentnern: so viele Opas und Omas, die dann ganz viel Zeit für die Enkel haben. So viele im Schnitt noch gesunde und tatkräftige ältere Menschen, die ihre Energie in bürgerschaftlichem Engagement ausleben können, ihr reichlich vorhandenes Geld in die Wirtschaft pumpen, vor allem - das wollen wir ihnen gönnen - in Reisen und Wellnessangebote. Eigentlich könnte das doch ganz großartig werden, wenn bis dahin angemessene Formen des Wohnens und Zusammenlebens vorhanden sind, denn gerade die geburtenstarken Jahrgänge haben nicht so viele Kinder. Und es könnte richtig nett werden, wenn die Frage geklärt ist, wer die Renten für die Babyboomer zahlt. Aber bis es so weit kommt, haben wir ja noch etwa zehn Jahre Zeit, diese Zukunft so zu gestalten, dass wir dann beruhigt sagen können: Die Rentner komme, wolle mer se reilasse?

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Servus! Die Kunst des Abgangs

13-11-2018

Da wird so ein Rücktritt monatelang gefordert, und wenn es dann so weit ist, sind alle doch ein wenig überrascht. Nach Angela Merkel hat nun auch Horst Seehofer angekündigt, den Parteivorsitz niederzulegen. Er bleibt zwar Innenminister, aber trotzdem wirkt Seehofer bereits leicht verwandelt. Schon der angekündigte Abschied taucht die Gestalten des öffentlichen Lebens in milderes Licht, die Töne werden versöhnlicher, die verbissensten Nahkämpfer treten einen Schritt zurück, um aus der Halbdistanz das Gesamtbild eines Politikerlebens zu würdigen. Wenn einer zurücktritt, wirkt das souverän, und man vergisst leicht, dass der Abgang der Mächtigen meist mehr oder weniger erzwungen ist: gehen müssen meist die, die eigentlich schon früher hätten gehen müssen. Stilvoll abtreten, bevor einen die eigenen Leute absägen, das ist dann nur noch der letzte kleine Triumph in der Niederlage. So wie Schauspieler ihren Kollegen, die auf der Bühne bleiben dürfen, wenigstens beim Abgang die Pointe klauen. Wird Horst Seehofer einen Schlussapplaus einheimsen, oder ist es für einen gelungenen Abgang schon zu spät?

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Privilegien - Die feinen und die unfeinen Unterschiede

12-11-2018

Früher waren Privilegien eine handfeste Sache: man bekam als Person oder Stadt eine Urkunde und war dann zum Beispiel vom Frondienst befreit oder durfte Messen und Märkte abhalten. Auch heute gibt es quasi gesetzliche Bevorzugungen von Gruppen oder Institutionen, zum Beispiel Steuerprivilegien für Familien und Unternehmen. Und dann gibt es noch die schwer fassbaren "Privilegien“, wie sie manche Soziologen definieren: alle sind gleich, aber die Angehörigen von Eliten ein bisschen gleicher. Ihre Angehörigen kennen die richtigen Manieren, die richtigen Kleider, die richtige Wortwahl, die richtige politische Meinung. Und genießen dadurch inoffizielle Vorrechte, über die man nicht gerne redet. Auch die Geburt in einem reichen Land, das Geschlecht oder die Hautfarbe können als Privileg verstanden werden. Mit diesem entgrenzten Begriff von Privileg sind meist mehr oder weniger konkrete Forderungen verbunden: du bist privilegiert, das ist ungerecht, also musst du etwas abgeben. Der Kampf um Privilegien ist oft einfach ein Verteilungskampf. Und er endet damit, dass noch mehr Privilegien verteilt werden - natürlich im Namen der Gerechtigkeit. Das klingt immer gut, oder?

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80 Jahre danach - Juden und ihre Feinde

09-11-2018

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 eskalierte der bis dahin systematisch geschürte Hass auf Juden. Synagogen wurden angezündet, Geschäfte, Wohnungen, jüdische Friedhöfe zerstört. Hunderte Menschen wurden ermordet und es begann, was dann im Holocaust endete, die Inhaftierung von Juden in Konzentrationslagern.
Dieser dunkle Teil der deutschen Geschichte wird nicht verschwiegen, die Verbrechen der Nationalsozialisten wurden und werden aufgearbeitet. Und trotzdem: der Antisemitismus ist noch immer präsent in unserer Gesellschaft. Judenfeindliche Übergriffe nehmen zu. Und das liegt nicht nur an muslimischen Einwanderern, die ihren Judenhass aus der Heimat mitbringen. Schon seit Jahrzehnten müssen Synagogen und jüdische Einrichtungen in Deutschland vor Angriffen geschützt werden.
In einer aktuellen Umfrage stimmten rund 30% der Befragten der Aussage zu "Juden passen nicht so recht zu uns". Wie kommt es zu solchen Ansichten? Juden haben das kulturelle Leben in Deutschland schon immer entscheidend mitgeprägt und bereichert. In Berlin findet gerade der jüdische Zukunftskongress statt, bei dem es genau um die Impulse geht, die jüdisches Leben in die Gesellschaft einbringt. Und wir? Wir begeben uns auf die Suche nach einem Gegenmittel gegen das Gift Antisemitismus.

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