Der Tag vom hessischen Rundfunk ist neben dem Hintergrund vom Deutschlandfunk eine weitere Informationsperle der ARD.  Tagesaktuelle Themen aus Politik, Kultur und Zeitgeist werden in gut recherchierten Sendungen wochentäglich präsentiert. Manchmal, wenn ich mich über die Rundfunkgebühr wegen zu viel Sport und Glitter ärgere, stelle ich mir, daß mit meinem Geld die Redakteure von einer solchen Sendung bezahlt werden. Schon tut es nicht mehr weh.

Wichtiger Podcast zum Zeitgeschehen. Läuft bei mir oft während ich in der Küche werke oder bei der Hausarbeit.

Die Sendung selbst - "Kenntnisreich, ironisch, witzig, pointiert", läuft von Montag bis Freitag um 18:05 Uhr im HR2. Die Seite zur Sendung findet man hier:
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Phönix aus dem Ascheimer - die neue SPD

06-12-2019

"GroKo Aus an Nikolaus!“ reimte die bayerische Juso-Vorsitzende. Schöner Endreim, aber keine gute Vorhersage für die Lage beim SPD-Parteitag. Dass dort Knecht Ruprecht den Sack zubindet und die Rute schwingt, ist eher unwahrscheinlich. Vielleicht werden eher Süßigkeiten verteilt, um alle bei Laune zu halten. Denn jetzt, so der Leitantrag des Bundesvorstands für den SPD-Parteitag, soll es "gestärkt, geeint und optimistisch“ voran gehen. Nur wohin? Mit der Großen Koalition in die Zukunft? Indem die SPD-Führung den eigenen Genossen und den Wählern endlich mal erklärt, dass eigentlich Sozialdemokratie drin ist, wo Merkel draufsteht? Damit würde die SPD zumindest mal den Merkel-Kritikern in der CDU Recht geben. Denn wir hörten ja immer wieder: Angela Merkel ist die beste sozialdemokratische Kanzlerin, die die SPD nie hatte! Nur die Wähler haben noch nicht gemerkt, wer in Berlin eigentlich regiert und den Mindestlohn und die Grundrente und das Klimapaket auf den Weg gebracht hat. Wobei letzteres zeigt, dass die CDU doch stört in der GroKo. Also vielleicht doch lieber ohne?

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Das schiefe Bild von Pisa: Wird Lesen überschätzt?

05-12-2019

Deutschland nur Mittelmaß, und innerhalb des Mittelfeldes auch noch abgerutscht. In der Qualifikation für die Bildungsweltmeisterschaft werden wir das Halbfinale sicher nicht erreichen. Das liegt auch daran, dass die Schüler nicht mitspielen. Jeder dritte deutsche Pennäler hat den Trend verpennt und findet lesen uninteressant. Kein Wunder, dass die Lesekompetenz sinkt. Mit diesem komplizierten Begriff meint die Pisa-Studie, die uns alle drei Jahre mit ihren Hiobsbotschaften nervt, dass die Schüler auch noch verstehen sollen, was sie lesen. Können viele nicht. Die Bildungsbürger sind entsetzt. Was soll aus Deutschlands Zukunft werden? Wer soll die Renten der heutigen Eltern bezahlen? Das Gejammer ist groß - wie alle drei Jahre, wenn die Pisa-Studie kommt. "Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch“, schrieb ein deutscher Dichter in einer Zeit, als Schreiben und Lesen noch den privilegierten Schichten vorbehalten war. Ach, das ist heute auch so? Na dann, was gibt es zu Jammern. Das Volk der Dichter und Denker hat sich auch ohne allgemeine Lesekompetenz entwickelt. Und es wird sich - YouTube und Google und Siri sei Dank, auch ohne Lesekompetenz weiterentwickeln. Video kills the reading star! Neuland ist voller Bilder. Und wo es doch Text gibt, ist die Vorlese-App nicht weit …

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Malta, Mord und Mafia – wo Korruption System ist

04-12-2019

Die Inseln galten mal als Paradies: exponiert zwar, aber wohlhabend, vom Klima verwöhnt und irgendwie sorglos, ein Hort von Ruhe und Sicherheit. Kriminalität - Fehlanzeige. Bis dann klar wurde, dass man auf Malta als Tourist zwar keine Angst vor Überfällen haben muss, als Journalistin, die an der glänzenden Fassade kratzt, aber leicht zu Tode kommen kann. Eine Bombe riss den beschaulichen Archipel aus der Ruhe. Seitdem hegen wir den Verdacht, dass die anderswo übliche Kleinkriminalität auf Malta auch deshalb so wenig präsent ist, weil die Malteser sich nur um die großen Coups kümmern: Geldwäsche, Scheinfirmen, Korruption. Der von den Kreuzrittern gegründete Zwergstaat scheint ein durch und durch mafioses System zu sein. Das eben auch vor politischem Mord nicht zurückschreckt. Was am Ende dann doch die Bevölkerung aufschreckte. Nach dem Bombenattentat auf die Journalistin Daphne Caruana Galizia gingen die Malteser auf die Straße und forderten Aufklärung. Zwei Jahre danach ist nun tatsächlich Bewegung in die Mordermittlungen gekommen - und die maltesische Regierung bröckelt.

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Das sogenannte Böse – Widerspruch und Meinungsfreiheit

03-12-2019

Angefangen hatte es mit dem sattsam bekannten Spruch: "Das wird man doch wohl noch sagen dürfen!" Mit dessen Rückkehr an die Stammtische und in die öffentliche Diskussion wurde die Vergangenheit der Republik wieder gegenwärtig. Es ging erneut um das Fremde und die Fremden, um Überfremdung und Volk, und dann auch um das Völkische. Es wurden neue Begriffe eingeführt und alte neu ausprobiert. Das provozierte. Was es auch sollte. Es provozierte aber auch Widerspruch und Ablehnung. Die Auseinandersetzungen wurden heftiger. Inzwischen beklagt eine Mehrheit der Deutschen, dass man eben genau das nicht mehr sagen darf, was man will. Es gebe ein Meinungsdiktat in Deutschland, die Meinungsfreiheit sei in Gefahr. Gleichzeitig nehmen die Hassbotschaften im Internet ungehindert zu, weil man dort offensichtlich alles sagen kann - und jedem. Und die, die am Anfang nur mal sagen wollten, was man doch wohl noch könne, sind inzwischen die Bedrohten, die Opfer des Meinungsdiktats. Gegen das sich dann einige mit der Stürmung von Veranstaltungen wehren, andere mit Todesdrohungen. Die Spirale dreht sich.

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Mehr Kohle fürs Klima – Was kostet das gute Gewissen?

02-12-2019

"Auf Grund eines Ablassbriefes das Heil zu erwarten, ist eitel", urteilte schon vor über 500 Jahren der Reformator Martin Luther. Jetzt trifft sich die Welt in Madrid, um genau ihn wieder aufleben zu lassen: den Ablasshandel. Dieses Mal geht's nicht um das fiktive Seelenheil einzelner Gläubiger, sondern um das konkrete Überleben aller Menschen. Aber irgendwie ist der Handel mit Erderwärmungszertifikaten, der bei der Klimakonferenz in Madrid verhandelt wird, doch sehr ähnlich dem Ablasshandel, den Martin Luther in seiner 52. These gegeißelt hat. Und vielleicht wird dann demnächst ein Reformator seine Thesen an die Pforte der UNO nageln und den ganz großen Wandel einläuten, der die bisherige Weltordnung ins Wanken bringt. Oder er funktioniert doch, der Handel mit CO2-Verschmutzungsrechten. Und die Welt wird von einem neuen Markt gerettet, nachdem der Kapitalismus sie zerstört hat.

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