Der Tag vom hessischen Rundfunk ist neben dem Hintergrund vom Deutschlandfunk eine weitere Informationsperle der ARD.  Tagesaktuelle Themen aus Politik, Kultur und Zeitgeist werden in gut recherchierten Sendungen wochentäglich präsentiert. Manchmal, wenn ich mich über die Rundfunkgebühr wegen zu viel Sport und Glitter ärgere, stelle ich mir, daß mit meinem Geld die Redakteure von einer solchen Sendung bezahlt werden. Schon tut es nicht mehr weh.

Wichtiger Podcast zum Zeitgeschehen. Läuft bei mir oft während ich in der Küche werke oder bei der Hausarbeit.

Die Sendung selbst - "Kenntnisreich, ironisch, witzig, pointiert", läuft von Montag bis Freitag um 18:05 Uhr im HR2. Die Seite zur Sendung findet man hier:
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"So jung, und doch so alt" - Rammstein und die Deutschen

20-5-2019

Deutscher als Rammstein geht´s ja gar nicht: düsterer, aggressiver Holzhammerrock, eine martialische Bühnenshow, dazu pathetische Texte und Videos, die sich gerne mal aus dem tiefsten Schicksalskeller der deutschen Geschichte bedienen. Dass Rammstein keine dumpfen Rechtsrocker sind, dürfte sich herumgesprochen haben. Aber die Provokation der in den 90ern gegründeten Band funktioniert auch beim neuen Album. Ein Lied heißt einfach "Deutschland“ - in dazugehörigen Videos rast eine dunkelhäutige Germania durch Jahrhunderte deutscher Geschichte, die Bandmitglieder posieren unter anderem als KZ-Häftlinge am Galgen. Ist das eine Geschmacklosigkeit? Oder, wie viele Kritiker finden, eine gelungene, hochironische Auseinandersetzung mit Geschichtsmythen? Gute Popmusik fällt ja nicht nur dadurch auf, dass man danach tanzen oder wenigstens hüpfen kann, sondern durch gewitzte Vieldeutigkeit, durch symbolische Eleganz - alles was Liebhaber eindeutiger Bekenntnisse verzweifeln lässt. Liefern Rammstein also einen raffinierten Kommentar zu den verkniffenen nationalen und sonstigen Identitätsdebatten? Auch für Menschen, die böse Gitarren nicht so schätzen? Oder fallen wir da einfach auf eine Masche aus dem vergangenen Jahrhundert rein?

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Panik, schöner Götterfunken - Europa vor der Wahl

17-5-2019

Was ist, bitte sehr, das Schicksalhafte an dieser Europawahl? Dass der deutsche Stimmzettel fast einen Meter lang ist und wir uns auf ihm verirren könnten? Es stehen 40 Parteien und politische Vereinigungen darauf, so viele sind es eben, die ins Europaparlament wollen. Um den Stimmzettel geht es natürlich nicht. Das Schicksal hat uns angeblich eine Entscheidungsschlacht aufgezwungen. Wir müssen einen neuen Totalitarismus abwehren und den Geist des Widerstands hervortreten lassen. So steht es in einem Aufruf zur Europawahl von dreißig europäischen Autoren. Auch viele Politiker von links bis rechts schwingen die Keule der Schicksalswahl. Und sie verstärken damit den Eindruck, als sei Europa eigentlich gescheitert und stünde jetzt am Scheideweg: Zwischen Krieg oder Frieden. Zwischen Freiheit oder Unterwerfung. Geht’s auch ein bisschen kleiner? 751 Abgeordnete sitzen im Europaparlament. Die wählen wir am 26. Mai. Und danach handeln die nationalen Regierungschefs in Hinterzimmern aus, wer die Spitzenjobs in Brüssel bekommt. Ist das Schicksal? Nein. Es ist unsere Europäische Union.

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Völker hört das Triviale! Populismus von links

16-5-2019

Der Populismus ist das Unwahre. So lautet eine weitverbreitete These von links, wenn man das undifferenzierte Verhalten rechter Propagandisten betrachtet. Tatsächlich aber verbinden sich in der populistischen Argumentation die Angriffspunkte, nur in der Bestimmung der Ursachen unterscheiden sich die Richtungen. Sind auf rechter Seite die Einwanderer Schuld am Untergang des Abendlandes, so ist es auf der linken das Großkapital. Populistische Aussagen aber treffen, weil und nicht obwohl sie nicht zielgenau formuliert sind. Man muss verallgemeinern, pauschalisieren und zuspitzen, um im Vielklang der Argumente überhaupt Gehör zu finden. Ist Populismus also an sich schädlich oder vielleicht eher nötig? Vergibt sich die Linke eine Chance, wenn sie auf Populismus gänzlich verzichtet? Und wo führt es hin, wenn Populisten von rechts und links gegeneinander antreten?

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Bayer bebt – Kopfschmerzen in Leverkusen

15-5-2019

Auch Aspirin, eines seiner bekanntesten Schmerzmittel wird Bayer jetzt nicht helfen. Die Krise, in der das Unternehmen aus Leverkusen seit der Übernahme von Monsanto steckt, ist mehr als ein vorübergehender Kopfschmerz. Sie könnte den gesamten Konzern außer Gefecht setzen. Da sind die Schadenersatzzahlungen, zu denen Monsanto und damit der Mutterkonzern Bayer in den USA verurteilt wurden. Da ist der Zorn der Aktionäre, deren Vermögen halbiert wurde. Sie haben kürzlich dem Vorstand die Entlastung verweigert- ein Novum in der Geschichte deutscher Aktiengesellschaften. Und jetzt wurde bekannt, dass Bayer Firmenkritiker ausspioniert hat: In Frankreich, in den USA, aber sicher nicht nur dort. Mit dem Erwerb des amerikanischen Unternehmens vor einem Jahr wollte Bayer zur Weltherrschaft in der Agro-Industrie aufsteigen und den globalen Markt für Saatgut dominieren. Heute zeigt sich: Dieser Anspruch hat einen Preis. Stehen die Manager jetzt mit dem Rücken an der Wand? Soll und vor allem kann der Bayer- Vorstand Monsanto jetzt wieder verkaufen? Wie wird es weitergehen mit dem Industriestandort Deutschland?

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Maria, hilf! Aufstand der katholischen Frauen

14-5-2019

Maria wird in der Kunstgeschichte in vielen Situationen abgebildet, aber nicht auf den Barrikaden. Die Mutter Gottes steht eher für unendliche Geduld, demütiges Dienen und stummes Leid. Eine Gruppe von katholischen Frauen aus Münster hält eine rebellische "Maria 2.0" dagegen. Unter diesem Namen protestieren sie gegen eine Kirche, die Frauen von Ämtern ausschließt, von ihren Priestern den Zölibat verlangt und sich nur halbherzig mit dem sexuellen Missbrauch in den eigenen Kreisen auseinandersetzt. "Maria 2.0" hat die katholischen Frauen zum Streik aufgerufen - statt in den Gottesdienst zu gehen, sollen sie sich vor den Kirchen versammeln. Viele Frauen, aber auch Männer in Deutschland sind dem Aufruf gefolgt. Wieder einmal hoffen die Gläubigen, ihre Kirche "von unten" zu Veränderungen bewegen zu können. Die Konservativen halten Traditionen und Papstworte dagegen. Aber was würde Maria sagen, wenn sie nach jahrhundertelangem Schweigen den Mund aufmacht? Sie war ja nie nur stille Dulderin, sondern immer auch tat- und wunderkräftige Nothelferin gewesen. Und diese Kraft benötigen die protestierenden Frauen ganz sicher, wenn sie in einer so großen und beharrlichen Institution wie der katholischen Kirche so grundlegend etwas verändern wollen.

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